Andreas Baumgärtner lehnt sich in seinem Behandlungsstuhl in Kreuzlingen zurück und schüttelt den Kopf. Vor ihm sitzt eine junge Frau mit einem wunderschönen Mandala am Unterarm – in strahlendem Türkis und Pastellgelb. Sie möchte es entfernen lassen. Eigentlich ein Routinefall. Doch Andreas weiß: Diese Farben werden zur Herausforderung.
Während schwarze und dunkelblaue Tattoos oft nach 4-6 Sitzungen verschwunden sind, können türkise, hellgrüne oder pastellgelbe Pigmente das Doppelte oder Dreifache an Behandlungen erfordern. Warum hat ihr das niemand vor dem Stechen gesagt?
Warum manche Farben ein Albtraum für die Laser-Entfernung sind
Nicht jede Tattoo-Farbe reagiert gleich auf Laserlicht. Das liegt an der Wellenlänge des Lasers und der chemischen Zusammensetzung der Tinte. Der PicoSure-Laser arbeitet mit 755 Nanometern – einer Wellenlänge, die besonders effektiv gegen dunkle Pigmente ist. Doch bei bestimmten hellen oder pastelligen Farben stößt selbst modernste Technologie an Grenzen.
Besonders problematisch sind:
- Türkis und Hellblau: Diese Farben reflektieren Licht statt es zu absorbieren. Der Laser trifft die Pigmente, doch die Energie verpufft teilweise wirkungslos.
- Hellgrün und Mintgrün: Ähnlich wie Türkis – die helle Pigmentierung macht es dem Laser schwer, genug Energie in die Tinte zu bringen.
- Pastellgelb und Hautfarben: Diese Töne sind oft mit Weißanteilen gemischt. Das Problem: Weiße Pigmente können durch Laser oxidieren und dadurch dunkler werden statt zu verblassen.
- Neon- und UV-reaktive Farben: Moderne Trend-Tinten, die im Schwarzlicht leuchten, enthalten oft Chemikalien, die auf keine Standard-Wellenlänge ansprechen.
Warum dein Tattoo-Künstler das nicht erwähnt hat
Die meisten Tattoo-Stecher sind Künstler, keine Dermatologen. Sie denken in Designs, nicht in Laser-Wellenlängen. Außerdem: Wer lässt sich schon ein Tattoo stechen und plant gleichzeitig die Entfernung? Viele Studios informieren deshalb nicht über die Laserbarkeit ihrer Tinten – oder wissen es selbst nicht.
Hinzu kommt: Hersteller von Tattoo-Farben müssen in der Schweiz und der EU zwar Sicherheitsdatenblätter vorlegen, doch Angaben zur Entfernbarkeit sind nicht verpflichtend. Das heißt: Dein Stecher könnte selbst dann nicht sicher sagen, wie gut sich eine bestimmte Farbe später lasern lässt, wenn er wollte.
Was der PicoSure-Laser gegen hartnäckige Farben tun kann
Der PicoSure ist einer der wenigen Laser, die auch bei schwierigen Farben Chancen bieten. Seine Pikosekunden-Technologie erzeugt extrem kurze Lichtimpulse – so kurz, dass sie die Pigmente regelrecht zertrümmern statt nur zu erhitzen. Das funktioniert bei vielen Farben besser als herkömmliche Nanosekunden-Laser.
Doch auch der PicoSure hat Grenzen. Bei türkisen oder hellgrünen Tattoos empfiehlt Andreas in der Praxis in Kreuzlingen oft eine Kombination:
- Mehr Sitzungen einplanen: Statt 6 Behandlungen können 10-15 nötig sein.
- Längere Pausen: 8-12 Wochen zwischen den Sitzungen geben der Haut Zeit, die zertrümmerten Pigmente vollständig abzutransportieren.
- Realistische Erwartungen: Manche pastelligen Farben verblassen auf 80-90 Prozent – eine vollständige Entfernung ist nicht immer möglich.
Was du tun kannst, bevor du ein buntes Tattoo stechen lässt
Niemand plant ein Tattoo mit dem Gedanken an Entfernung. Doch ein bisschen Voraussicht schadet nicht – besonders bei großflächigen, farbintensiven Motiven.
Frag deinen Tattoo-Künstler nach der Marke und den Inhaltsstoffen der Farbe. Recherchiere, ob diese Tinten bekannt dafür sind, sich schlecht lasern zu lassen. Meide wenn möglich Neon-Farben, reine Pastelltöne oder hautfarbene Pigmente – außer du bist dir absolut sicher, dass das Motiv für immer bleiben soll.
Und wenn du bereits ein türkises, hellgrünes oder gelbes Tattoo hast? Dann lass dich ehrlich beraten. In der Praxis in Kreuzlingen zeigt Andreas bei solchen Fällen immer Vorher-Nachher-Fotos ähnlicher Behandlungen. Das hilft, realistische Erwartungen zu setzen – und trotzdem mit der Entfernung zu starten, wenn du bereit bist, Geduld mitzubringen.
Ein letzter Gedanke: Farbe ist nicht gleich Farbe
Die Tattoo-Industrie entwickelt sich rasant. Neue Tinten kommen auf den Markt, alte werden verboten. Was heute als schwer entfernbar gilt, könnte in fünf Jahren kein Problem mehr sein – und umgekehrt. Deshalb ist eine professionelle Beratung vor der ersten Laser-Sitzung so wichtig.
Wenn du in Kreuzlingen oder am Bodensee ein buntes Tattoo entfernen lassen möchtest, komm vorbei. Andreas Baumgärtner nimmt sich Zeit, dein Motiv genau anzuschauen, die Farben zu analysieren und dir einen ehrlichen Behandlungsplan zu erstellen. Denn eins ist sicher: Auch schwierige Farben sind kein Grund aufzugeben – sie brauchen nur die richtige Strategie.