Jedes Jahr das gleiche Bild: Sobald die ersten Sonnenstrahlen rauskommen, häufen sich die Anfragen. „Ich möchte mein Tattoo bis zum Urlaub weggelasern" – ein Satz, den wir in der Praxis in Kreuzlingen zwischen Mai und Juli besonders oft hören. Verständlich, denn wer träumt nicht davon, im Sommerurlaub mit reiner Haut am Bodensee oder im Mittelmeer zu entspannen?
Aber hier kommt die unbequeme Wahrheit: Der Sommer ist die denkbar schlechteste Jahreszeit für eine Tattooentfernung. Nicht nur suboptimal – wirklich schlecht. Und das hat handfeste medizinische Gründe.
UV-Strahlung ist der Feind frisch behandelter Haut
Nach einer Laserbehandlung mit dem PicoSure ist deine Haut in einem Heilungsprozess. Die Laserpulse haben die Farbpigmente in winzige Partikel zerlegt, die dein Körper nun abtransportieren muss. Gleichzeitig regeneriert sich die Hautoberfläche.
In dieser Phase reagiert die Haut extrem empfindlich auf UV-Strahlung. Was passiert, wenn du trotzdem in die Sonne gehst?
- Hyperpigmentierung: Dunkle Flecken können entstehen, die hartnäckiger sind als das ursprüngliche Tattoo
- Verlangsamte Heilung: Die Haut braucht länger, um sich zu regenerieren
- Erhöhtes Narbenrisiko: Bei starker Sonneneinstrahlung steigt die Gefahr von Gewebeschäden
- Schmerzen: Sonnengebräunte Haut ist generell empfindlicher bei der nächsten Sitzung
Ich erlebe das immer wieder: Jemand lässt sich im Juni behandeln, fährt zwei Wochen später an den Gardasee, cremt sich brav mit Faktor 50 ein – und kommt trotzdem mit Pigmentflecken zurück. Sonnencreme ist gut, aber sie bietet keinen hundertprozentigen Schutz. Gerade bei längeren Aufenthalten im Freien, beim Schwimmen oder Sport schwitzt sie ab oder wird ungleichmäßig verteilt.
Der Abstand zwischen den Sitzungen spricht gegen Sommer
Eine vollständige Tattooentfernung braucht Zeit. Je nach Farbe, Tiefe und Größe des Tattoos rechnen wir mit 6 bis 12 Sitzungen, manchmal auch mehr. Zwischen den einzelnen Behandlungen sollten mindestens 6 bis 8 Wochen liegen – Zeit, die dein Immunsystem braucht, um die zertrümmerten Farbpartikel abzubauen.
Startest du im Mai, sind wir mitten im Hochsommer bei Sitzung zwei oder drei. Das bedeutet: Mehrere Monate, in denen du die Sonne meiden musst. Keine Badi am Bodensee, kein Segeln, kein entspanntes Biergarten-Feierabend mit kurzem Shirt.
Beginnst du dagegen im Oktober, liegen die kritischen ersten Sitzungen im Winter. Im Frühling, wenn die Haut wieder mehr Sonne abbekommen darf, ist der Prozess bereits fortgeschritten.
Warum der Herbst die klügere Wahl ist
Aus unserer Erfahrung in Kreuzlingen ist September bis März die ideale Zeit für den Start einer Tattooentfernung. Die Gründe liegen auf der Hand:
Weniger UV-Belastung: Selbst an sonnigen Herbsttagen ist die UV-Strahlung deutlich geringer als im Hochsommer. Die behandelten Stellen sind leichter vor Sonne zu schützen.
Kleidung als natürlicher Schutz: Lange Ärmel, Hosen und Jacken trägst du ohnehin. Die behandelte Stelle bleibt automatisch bedeckt, ohne dass du ständig daran denken musst.
Bessere Heilung: Kühlere Temperaturen bedeuten weniger Schwitzen, weniger Reibung durch Kleidung, angenehmeres Hautgefühl nach der Behandlung.
Kontinuität: Du kannst die Behandlungsserie ohne große Unterbrechungen durchziehen. Keine Urlaubspause, kein Verschieben wegen Strandurlaub.
„Aber ich habe im Sommer mehr Zeit!"
Stimmt – viele nutzen die Ferienzeit für medizinische oder kosmetische Eingriffe. Bei einer Tattooentfernung ist diese Logik aber kontraproduktiv.
Eine einzelne Sitzung dauert bei uns je nach Tattoo-Größe zwischen 10 und 30 Minuten. Die eigentliche Behandlung ist also selbst im stressigsten Berufsalltag unterzubringen. Ein Termin nach Feierabend oder in der Mittagspause? Kein Problem.
Was Zeit braucht, ist die Nachsorge – und die kannst du im Herbst und Winter deutlich entspannter gestalten. Kein ständiges Eincremen vor jedem Rausgehen, keine Sorge beim Spaziergang am See, kein schlechtes Gewissen, weil du doch zu lange draußen warst.
Was, wenn ich trotzdem im Sommer starten will?
Manchmal lässt sich der Zeitpunkt nicht frei wählen. Vielleicht steht ein wichtiger Anlass bevor, vielleicht hast du gerade jetzt die mentale Klarheit für diesen Schritt.
Dann gilt: Sonnenschutz ist nicht verhandelbar.
- Behandelte Stellen konsequent bedecken – auch bei bewölktem Himmel
- Mindestens LSF 50+ verwenden, alle zwei Stunden nachcremen
- Direkte Sonne komplett meiden, besonders zwischen 11 und 15 Uhr
- Schwimmen und Sport im Freien in den ersten zwei Wochen nach jeder Sitzung vermeiden
- Bei Rötungen oder Pigmentveränderungen sofort Kontakt mit uns aufnehmen
Ehrlich gesagt rate ich in solchen Fällen manchmal auch, nur die erste Sitzung zu machen und dann eine Pause bis Herbst einzulegen. Besser langsam und sicher als schnell mit Komplikationen.
Praxisbeispiel aus Kreuzlingen
Letzten Sommer kam eine Kundin zu uns, die ihr Unterarm-Tattoo unbedingt loswerden wollte. Sie arbeitet im Außendienst, ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Wir haben gemeinsam entschieden: Erste Sitzung im August, danach Pause bis Oktober.
Warum? Weil wir realistisch waren. Auch mit bestem Willen – im Berufsalltag draußen lässt sich permanenter Sonnenschutz nicht garantieren. Lieber drei Monate warten als das Risiko von Pigmentflecken eingehen, die am Ende schwieriger zu behandeln sind als das Tattoo selbst.
Im November haben wir dann normal weitergemacht. Mittlerweile, im zweiten Jahr, ist das Tattoo kaum noch sichtbar. Und sie ist froh, dass sie geduldig war.
Mein Rat: Plane strategisch
Eine Tattooentfernung ist eine Investition – in Zeit, Geld und Geduld. Sie verdient eine strategische Planung.
Überleg dir: Wann im Jahr trägst du ohnehin lange Kleidung? Wann hast du die wenigsten Outdoor-Verpflichtungen? Wann ist dein UV-Risiko am niedrigsten?
In der Region Kreuzlingen und Konstanz ist das typischerweise zwischen Oktober und April. Genau dann solltest du idealerweise starten.
Wenn du im Herbst beginnst, kannst du im Sommer darauf schon einige Sitzungen abhaken – mit deutlich weniger Einschränkungen, weil die Haut dann schon stabiler ist. Und wenn alles gut läuft, kannst du im übernächsten Sommer vielleicht schon ohne Tattoo an den Strand.
Fazit: Timing ist alles
Die beste Tattooentfernung ist die, die ohne Komplikationen verläuft. Und der größte Risikofaktor ist und bleibt die Sonne.
Natürlich können wir auch im Sommer behandeln – technisch ist das kein Problem. Aber die Nachsorge wird aufwendiger, das Risiko von Pigmentstörungen höher, und deine Lebensqualität in den Wochen nach jeder Sitzung eingeschränkter.
Deshalb mein klarer Tipp: Nutze die dunkleren Monate. Deine Haut wird es dir danken – und das Ergebnis auch.
Wenn du Fragen zum optimalen Zeitpunkt für deine persönliche Situation hast, ruf einfach in der Praxis an oder schreib uns eine Mail. Wir schauen gemeinsam, wann der Start für dich am sinnvollsten ist.