Du verlässt die Praxis nach deiner ersten PicoSure-Sitzung, fühlst dich erleichtert – und ein paar Stunden später beginnt es: Dein Tattoo juckt. Nicht ein bisschen, sondern richtig. Der Impuls, zu kratzen, ist überwältigend. Willkommen in einer der häufigsten (und nervigsten) Begleiterscheinungen der Tattooentfernung.
Die gute Nachricht: Juckreiz ist ein Zeichen dafür, dass dein Körper arbeitet. Die schlechte: Du musst trotzdem damit umgehen. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum deine Haut nach der Laserbehandlung juckt, wie lange das dauert und – das Wichtigste – was du sofort tun kannst, um den Juckreiz zu lindern, ohne die Heilung zu gefährden.
Warum juckt mein Tattoo nach der Laserbehandlung überhaupt?
Juckreiz nach einer PicoSure-Behandlung ist keine Komplikation, sondern ein normaler Teil des Heilungsprozesses. Der Laser zerlegt die Tattoopartikel in winzige Fragmente – das versetzt deine Haut in einen kontrollierten Entzündungszustand. Dein Immunsystem schickt Makrophagen (Fresszellen) zur behandelten Stelle, um die zertrümmerten Farbpigmente abzutransportieren.
Während dieser Phase passiert eine ganze Menge:
- Histamin-Ausschüttung: Dein Körper setzt Botenstoffe frei, die Entzündungen regulieren – Histamin ist einer davon und löst direkt Juckreiz aus.
- Neue Hautzellen bilden sich: Die oberste Hautschicht regeneriert sich, was zu einem kribbelnden, juckenden Gefühl führt.
- Trockenheit: Die behandelte Stelle verliert Feuchtigkeit, die Haut spannt – das verstärkt den Juckreiz zusätzlich.
Kurz gesagt: Dein Körper heilt. Und Heilung juckt – das kennst du vielleicht schon vom Stechen deines Tattoos.
Wann beginnt der Juckreiz – und wie lange hält er an?
Die meisten Patientinnen und Patienten berichten, dass der Juckreiz etwa 24 bis 72 Stunden nach der Behandlung am stärksten ist. Manche spüren ihn schon wenige Stunden nach der Sitzung, bei anderen setzt er erst am nächsten Tag ein.
In der Regel lässt der Juckreiz nach etwa 5 bis 7 Tagen deutlich nach. Bei manchen hält er etwas länger an – besonders, wenn die behandelte Stelle großflächig ist oder du zu trockener Haut neigst. Wichtig ist: Solange keine starken Schmerzen, Nässen oder Anzeichen einer Infektion hinzukommen, ist alles im grünen Bereich.
Was du auf keinen Fall tun solltest: Kratzen!
Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Aber Kratzen ist das Schlimmste, was du jetzt tun kannst. Warum?
- Narbenbildung: Du riskierst, die heilende Haut aufzureißen und Narben zu hinterlassen.
- Infektionen: Unter deinen Fingernägeln sitzen Bakterien – die können in die offene Haut eindringen.
- Pigmentstörungen: Kratzen kann dazu führen, dass die Haut an der Stelle heller oder dunkler wird als das umliegende Gewebe.
Falls du nachts im Schlaf kratzt, kannst du dünne Baumwollhandschuhe tragen oder die Stelle locker mit einem atmungsaktiven Verband abdecken.
7 Strategien, die gegen den Juckreiz wirklich helfen
1. Kühlen (aber richtig)
Lege ein sauberes, kühles (nicht eiskaltes!) Tuch auf die behandelte Stelle. Das beruhigt die Haut und hemmt die Histamin-Ausschüttung. Achtung: Kein Eis direkt auf die Haut – das kann Erfrierungen verursachen.
2. Feuchtigkeitscreme ohne Duft- und Zusatzstoffe
Trockene Haut juckt stärker. Verwende mehrmals täglich eine reichhaltige, parfümfreie Creme. Panthenol-haltige Produkte oder spezielle Wundheilsalben (z. B. Bepanthen) sind ideal. Frag in der Praxis nach, welche Produkte wir empfehlen.
3. Sanftes Klopfen statt Kratzen
Wenn der Drang zu kratzen übermächtig wird: Klopfe sanft mit den Fingerspitzen auf die juckende Stelle. Das lenkt das Nervensignal ab, ohne die Haut zu verletzen.
4. Lockere, weiche Kleidung tragen
Enge Kleidung reibt an der behandelten Stelle und verschlimmert den Juckreiz. Trage weiche Baumwolle oder andere atmungsaktive Stoffe, die nicht scheuern.
5. Viel Wasser trinken
Deine Haut heilt von innen. Wer ausreichend trinkt, unterstützt die Hautregeneration und hält sie geschmeidiger. Mindestens 2 Liter Wasser pro Tag sollten es sein.
6. Antihistaminika (nach Rücksprache)
In hartnäckigen Fällen kann ein rezeptfreies Antihistaminikum (z. B. Cetirizin) helfen, den Juckreiz zu dämpfen. Sprich vorher kurz mit uns oder deinem Hausarzt, ob das für dich sinnvoll ist.
7. Ablenkung und Achtsamkeit
Manchmal hilft es, den Juckreiz bewusst wahrzunehmen, ohne zu reagieren. Achtsamkeitsübungen oder Ablenkung (z. B. Spaziergang am Bodensee, ein gutes Buch) können Wunder wirken.
Wann solltest du dir Sorgen machen?
Normaler Juckreiz ist lästig, aber harmlos. Kontaktiere uns oder einen Arzt, wenn:
- der Juckreiz mit starkem Brennen, Schmerzen oder Schwellungen einhergeht
- die Stelle nässt, eitert oder übel riecht
- du Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl entwickelst
- der Juckreiz nach 10 Tagen nicht besser wird
Das können Anzeichen einer Infektion oder allergischen Reaktion sein – auch wenn das bei PicoSure-Behandlungen extrem selten vorkommt.
Warum PicoSure weniger Juckreiz verursacht als ältere Laser
Der PicoSure-Laser arbeitet mit ultrakurzen Pikosekunden-Impulsen. Das bedeutet: Die Energie wird extrem schnell abgegeben, ohne die umliegende Haut stark zu erhitzen. Im Vergleich zu älteren Nanosekunden-Lasern führt das zu:
- weniger thermischer Schädigung der Haut
- schnellerer Heilung
- geringerer Entzündungsreaktion
Viele Patientinnen und Patienten, die vorher mit anderen Methoden behandelt wurden, berichten, dass der Juckreiz bei PicoSure deutlich milder ausfällt. Trotzdem bleibt er Teil des Heilungsprozesses – denn dein Körper muss die Farbpigmente abbauen, egal wie sanft die Technologie ist.
Erfahrungsbericht aus der Praxis in Kreuzlingen
Vor ein paar Wochen hatte ich eine Patientin, deren farbiges Unterarm-Tattoo wir mit PicoSure behandelten. Sie kam zwei Tage nach der ersten Sitzung zurück, leicht verzweifelt: Der Juckreiz war nachts kaum auszuhalten. Wir haben gemeinsam die Nachsorge angepasst – mehr Feuchtigkeitscreme, kühlende Auflagen, lockere Langarmshirts. Nach weiteren drei Tagen war der Juckreiz fast verschwunden.
Ihre zweite Sitzung lief entspannter: Sie wusste, was auf sie zukommt, hatte ihre Strategie parat – und kam deutlich gelassener durch die Heilungsphase. Manchmal ist es einfach das Wissen, dass alles normal ist, das den Unterschied macht.
Fazit: Juckreiz ist nervig – aber ein gutes Zeichen
Juckreiz nach der Tattooentfernung zeigt, dass dein Körper arbeitet. Er bedeutet Heilung, Regeneration, Fortschritt. Mit der richtigen Pflege, etwas Geduld und ein paar simplen Tricks kommst du gut durch diese Phase – ohne zu kratzen, ohne Narben, ohne Komplikationen.
Und falls du dir unsicher bist oder Fragen hast: Ruf einfach in der Praxis an. Wir sind auch zwischen den Sitzungen für dich da.