Die erste Laser-Sitzung ist vorbei, du verlässt die Praxis – und ein paar Stunden später merkst du: Dein Tattoo ist deutlich geschwollen, die Haut fühlt sich gespannt an, vielleicht sogar ein bisschen heiß. Viele Patienten erschrecken sich in diesem Moment und fragen sich, ob etwas schiefgelaufen ist.
Die gute Nachricht: Eine Schwellung nach der Tattooentfernung mit dem PicoSure-Laser ist völlig normal und sogar ein Zeichen dafür, dass der Laser seine Arbeit macht. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum dein Körper so reagiert, wie lange die Schwellung anhält und was du aktiv tun kannst, um den Heilungsprozess zu unterstützen.
Warum schwillt die Haut nach der Laserbehandlung überhaupt an?
Um zu verstehen, warum eine Schwellung entsteht, müssen wir kurz in die Biologie eintauchen. Der PicoSure-Laser arbeitet mit ultrakurzen Lichtimpulsen – sogenannten Pikosekunden-Impulsen – die gezielt die Farbpigmente in deiner Haut zertrümmern. Diese Pigmente werden dabei in winzige Partikel zerlegt, die dein Immunsystem anschließend abtransportiert.
Dieser Prozess ist für deinen Körper eine Art kontrollierte Verletzung. Dein Immunsystem erkennt die zertrümmerten Pigmente als Fremdkörper und schickt sofort weiße Blutkörperchen, Lymphflüssigkeit und entzündungshemmende Botenstoffe zur behandelten Stelle. Diese verstärkte Durchblutung und die Ansammlung von Flüssigkeit führen zur Schwellung – medizinisch nennt man das ein Ödem.
Kurz gesagt: Die Schwellung ist ein Zeichen dafür, dass dein Körper die Tinte aktiv abbaut. Je stärker dein Immunsystem arbeitet, desto ausgeprägter kann die Schwellung ausfallen.
Wo schwillt die Haut am stärksten an?
Nicht jede Körperstelle reagiert gleich. Besonders anfällig für starke Schwellungen sind:
- Gesicht und Hals: Hier ist die Haut dünn und stark durchblutet – Schwellungen fallen deshalb oft deutlicher aus.
- Finger und Hände: Durch die vielen feinen Blutgefäße kann es hier zu ausgeprägten Ödemen kommen.
- Fußgelenke und Unterschenkel: Durch die Schwerkraft sammelt sich Flüssigkeit besonders in den unteren Extremitäten.
- Stellen mit wenig Unterhautfettgewebe: Knöchel, Handgelenke oder Rippen schwellen oft stärker an, weil der Körper hier weniger Puffer hat.
Wenn dein Tattoo an einer dieser Stellen sitzt, rechne damit, dass die Schwellung etwas ausgeprägter sein kann als bei einem Tattoo am Oberarm oder Rücken.
Wie lange dauert die Schwellung normalerweise?
Die meisten Patienten erleben die stärkste Schwellung in den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Behandlung. Danach klingt sie in der Regel innerhalb von drei bis fünf Tagen vollständig ab. In Einzelfällen – besonders bei großen, farbintensiven Tattoos – kann es auch bis zu einer Woche dauern.
Falls die Schwellung nach einer Woche nicht zurückgeht oder sich verschlimmert, solltest du dich in der Praxis melden. Das ist selten, aber in manchen Fällen kann eine bakterielle Infektion oder eine allergische Reaktion vorliegen.
Was kannst du sofort nach der Sitzung tun?
Direkt nach der Laserbehandlung gibt es ein paar einfache Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um die Schwellung zu minimieren:
- Kühlen, kühlen, kühlen: Leg ein Kühlpack (eingewickelt in ein sauberes Tuch) für jeweils 10 bis 15 Minuten auf die behandelte Stelle. Wiederhole das mehrmals in den ersten Stunden. Kälte verengt die Blutgefäße und reduziert die Flüssigkeitsansammlung.
- Hochlagern: Wenn möglich, lagere die betroffene Körperstelle hoch – zum Beispiel das Bein auf einem Kissen. Das erleichtert den Abfluss der Lymphflüssigkeit.
- Viel trinken: Dein Lymphsystem arbeitet auf Hochtouren. Unterstütze es, indem du mindestens zwei Liter Wasser pro Tag trinkst.
- Locker sitzende Kleidung tragen: Vermeide enge Kleidung, die auf der geschwollenen Stelle drückt. Das behindert den Lymphabfluss und kann die Schwellung verschlimmern.
Was solltest du in den ersten Tagen unbedingt vermeiden?
Genauso wichtig wie die richtigen Maßnahmen ist es, bestimmte Dinge zu vermeiden, die die Schwellung verstärken können:
- Keine Hitze: Sauna, Solarium, heiße Bäder und direkte Sonneneinstrahlung sind tabu. Hitze erweitert die Blutgefäße und verstärkt die Schwellung.
- Kein Sport: Intensive körperliche Anstrengung erhöht die Durchblutung und kann die Schwellung verschlimmern. Gönn deinem Körper mindestens 48 Stunden Ruhe.
- Kein Alkohol: Alkohol wirkt gefäßerweiternd und entzündungsfördernd – also genau das Gegenteil von dem, was du jetzt brauchst.
- Nicht kratzen: Auch wenn es juckt – lass die Finger weg! Kratzen kann Entzündungen fördern und die Heilung verzögern.
Wann ist eine Schwellung ein Warnsignal?
In den allermeisten Fällen ist eine Schwellung harmlos und verschwindet von selbst. Es gibt jedoch einige Warnsignale, bei denen du hellhörig werden solltest:
- Die Schwellung wird nach drei Tagen schlimmer statt besser
- Die Haut ist extrem heiß und pocht stark
- Es bilden sich Blasen oder eitrige Stellen
- Du entwickelst Fieber oder fühlst dich allgemein krank
- Die Haut verfärbt sich dunkelrot oder bläulich
In solchen Fällen solltest du dich umgehend bei uns in der Praxis melden oder einen Arzt aufsuchen. Solche Komplikationen sind beim PicoSure-Laser extrem selten, aber es ist wichtig, sie frühzeitig zu erkennen.
Kann ich die Schwellung medikamentös behandeln?
Viele Patienten fragen, ob sie Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente nehmen dürfen. Grundsätzlich gilt: Sprich vorher mit uns darüber. Manche entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen können theoretisch den Heilungsprozess beeinflussen, weil sie die natürliche Entzündungsreaktion dämpfen – die aber notwendig ist, um die Farbpigmente abzubauen.
Kühlende Gels oder Salben mit Arnika oder Aloe Vera können hingegen hilfreich sein. Achte darauf, dass sie parfümfrei und für empfindliche Haut geeignet sind. Bei starken Beschwerden kannst du auch auf rezeptfreie abschwellende Gels aus der Apotheke zurückgreifen.
Warum der PicoSure-Laser weniger Schwellungen verursacht als ältere Laser
Ein großer Vorteil des PicoSure-Lasers ist, dass er im Vergleich zu älteren Nanosekunden-Lasern deutlich schonender arbeitet. Durch die ultrakurzen Impulse wird weniger Hitze in die Haut abgegeben, was die thermische Belastung minimiert. Das bedeutet: weniger Entzündung, weniger Schwellung, schnellere Heilung.
Trotzdem kann es natürlich auch beim PicoSure zu Schwellungen kommen – schließlich findet in deiner Haut ein aktiver Abbauprozess statt. Aber die Intensität und Dauer sind in der Regel geringer als bei älteren Technologien.
Meine Empfehlung aus der Praxis
Nach hunderten Behandlungen hier in Kreuzlingen kann ich dir versichern: Eine Schwellung nach der Laserbehandlung ist fast immer ein gutes Zeichen. Sie zeigt, dass dein Immunsystem aktiv ist und die Tinte abbaut. Die meisten Patienten sind nach zwei bis drei Tagen wieder beschwerdefrei.
Plane nach deiner ersten Sitzung am besten einen ruhigen Abend ein. Leg die Beine hoch, kühle die betroffene Stelle und gönn dir eine Pause. Dein Körper leistet gerade Großartiges – und mit ein bisschen Pflege unterstützt du ihn optimal dabei.
Falls du dir unsicher bist oder Fragen hast, melde dich jederzeit bei uns. Wir begleiten dich durch den gesamten Prozess – von der ersten Sitzung bis zur letzten.